Facebook schleicht sich an Implizites an, Twitter läßt Explizites raus

Social Media on November 3rd, 2009 No Comments

Matthias von BWL-Zweinull schrieb am 30.10. in seinem Blog, Twitter sei mehr ein Nischenmedium als Facebook. Ganz klar. Mindestens setzt Twitter auf die Nische derjenigen, die aktiv etwas veröffentlichen wollen.

Da gebe ich Matthias voll und ganz Recht, aber der Vergleich und die Sorge um Twitter auf Grund der relativ zu Facebook schlechteren Visitor-Entwicklung den er aus den Postings von Bill Tancer abgeleitet hat hinkt ein wenig, denn:

1. Wendet sich Facebook an eine eher passive Klientel als Twitter.
Facebook hat sich aus einem reinen Netzwerk, das Menschen, die sich bereits kennen verbindet und neue Kontakte ermöglicht weiterentwickelt. Heute kann ich auf unterschiedlichen Wegen Informationen aus unterschiedlichsten Themenbereichen über mich verbreiten: Durch Psychotests, Quizzes, Spiele, Auflistungen von Büchern, Filmen und Songs die ich besitze und mag, Interaktion mit meinen Freunden etc.
Facebook zieht damit langsam und stetig implizite informationen aus mir heraus, die ich ohne die entsprechende App wie “Cities you’ve visited” oder den “How good is your Movie-Knowledge” nie preisgeben würde.

Oder schreiben Sie irgendwo einfach mal alle Städte, die Sie besucht haben herunter und Listen alle Filme, die Sie in Ihrem Leben gelesen haben? Eher nicht. Diese Informationen werden spielerisch aus den nicht so extrovertierten Personen herausgekitzelt.

Twitter hingegen ist ein Werkzeug zum aktiven Veröffentlichen von Gedanken, Meinungen, Artikeln und Hinweisen auf die eigene, oder besonders geschätzte Arbeit anderer. Durch Interaktion mit anderen wird im geringen Maße auch implizites Wissen hervor geholt. Dabei aber lange nicht so zuelgerichtet und auswertbar wie bei Facebook.
Durch die Konzentration auf’s Wesentliche macht Twitter diesen Job mMn auch sehr viel besser als Facebook. Schließlich lassen sich die auf Twitter erstellten Inhalte auch auf Facebook darstellen und sorgen dadurch für weitere Facebook-Hits da nicht-Twitterer auf die aus Twitter generierten Pinnwandeinträge ihrer Freunde klicken. Klingt kompliziert? Isses aber gar nicht.

Facebook ist außerdem ein echter Hitgenerator. Durch die Spiele, Apps, Anstupser, “Gefällt mir”-Links, Weiterempfehlungen usw. besteht ein wesentlich größeres “Hitpotenzial” – ok, nennen wir es wegen der Verwechselungsgefahr lieber Klickpotenzial und damit auch Besuchspotenzial als auf Twitter. Denn die Motivation mehrmals am Tag Facebook nach Spielständen, Kommentaren, Quizzes und Herausforderungen in Spielen zu checken ist sehr viel höher.

2. Ansatzweise vergleichbare Funktonalitäten sind bei Twitter ebenfalls möglich. Diese werden aber über Drittdienste wie Twitpic für Fotos, Linkverkürzer wie bit.ly und App-ähnlichen Diensten wie z.B. Twittpoll zur Verfügung gestellt. Klar, daß die keine Visits auf Twitter generieren, sondern auf ihren eigenen Seiten.

Ich bin fest überzeugt, wir müssen uns um Twitter keine Sorgen machen ;) Es ergänzt Facebook durch seine Offenheit, aber auch die höhere Zugangshürde des “publizieren müssens” in meinen Augen sehr gut. Wer sich einfach nur mit seinen Freunden austauschen möchte, wird in Social Networks wie Facebook immer besser aufgehoben sein und hat an Publikationswerkzeugen wie Twitter zunächst mal kein Interesse.

Diese These sehe ich in den vielen Freunden aus meinem privaten Umfeld bestätigt, die zwar diverse Netzwerke nutzen, aber ganz klar sagen:

Auf Twitter habe ich nichts zu suchen, weil ich einfach nichts zu sagen habe. – Und die paar Tweets, die für mich interessant sind, die schickst Du mir ja zu oder die finde ich als ReTweet auf Deiner Pinnwand :-)

Besonders klasse finde ich in dem Zusammenhang den Kommentar von Matthias in seinem Posting, der den Nagel buchstäblich auf den Kopf trifft:

Bei Twitter weiß man nie genau, mit wem man jetzt gerade spricht, da nicht alle Follower gleichzeitig “zuhören”. Twitter ist wie ein Zurufen im Nebel: Man ahnt, dass es jemand hört, weiß aber nicht genau wer bzw. wie viele.

Aber nach dem Prinzip funktionieren ja auch Homepages, Plakate, Radiospots und alle anderen klassischen Medien. Nur eben nicht so zielgerichtet und so meßbar.

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