Selbst der Hype hat das Bloggen unterschätzt
In einem bemerkenswerten Posting über den vorübergegangenen Hype der Blogs und was vom Blogge übrig blieb schreibt Robert Basic auf seinem Blog (sorry, Rob, wenn ich Dir im Titel schon Deine Pointe wegnehme *g*):
Nur wir ahnen, was es bedeutet, wenn sich Menschen zunehmend vernetzen, informieren, organisieren und austauschen. Wir ahnen und übertreiben gerne. Doch am Ende haben wir meistens recht, selbst wenn wir es “damals” nicht rational begründen konnten. Wir werden lernen, damit umzugehen. Und diese Kulturtechnik in eine nachvollziehbare, erlernbare Struktur pressen. Blogs im Sinne eines digitalen Publizierens steht demnach ihre Blütezeit erst noch bevor? Anzunehmen, aber in Form des heute so genannten “Bloggens” als vernetzte Kommunikationsform?
Der Gedanke, der mir dabei kam: Ist dieses öffentliche Ahnen und vor allem aussprechen und öffentliche Äußern unserer Ahnungen in Blogs – also in nachhaltiger Öffentlichkeit und Kommunikation ein crowdgesourcetes, kollaboratives Bauchgefühl? In dem wir alle unsere Ahnungen teilen und massenweise unsere Gedanken für jeden zugänglich niederschreiben und vernetzen, schaffen wir damit den Nährboden, um aus Ahnungen Vorhersagen und aus gemeinsamen Vorhersagen Konzepte und aus diesen Konzepten Realität zu machen.
Wir gestalten die zukunft des Bloggens selbst. Durch Bloggen. Durch Ausprobieren und das MACHEN aus intrinsischer Motivation wie es so schön heißt. Aus spass am Vernetzen, am Diskutieren von Gedanken und der gegenseitigen Vermittlung und Bewertung von Information.
Ich glaube, auf der grünen Wiese, auf der bisher gebloggt wurde, sind grade mal die ersten Ackerfurchen gepflügt worden. Klar, das eine oder andere Güllefaß wurde schon ausgekippt und Nährboden ist reichlich da. Interessant wird es jetzt zu kucken, was wächst, wenn die Monokulturen der stark selbstreferenzierten Social-Media und Blogosphäre Früchte trägt und immer mehr alltägliche Blüten und Nischenpflänzchen trägt.
Meine Wunschvorstellung der Bloglandschaft ist die, in der ich zu jeder Hunderasse, internationalen Küche, jedem Hobby und jeder Kunstrichtung, Fernsehsendung und Handwerkersparte mehrere Nischenblogs finde in denen sich Leute Gedanken und Mühe machen über IHR Thema zu schreiben und sich auszutauschen. Öffentlich. Nicht um AdWords zu platzieren sondern, weil sie sich gerne unterhalten. Weil sie Spaß daran haben täglich neue, spannende Details aus ihrem Tätigkeitsfeld zu veröffentlichen. Auch wenn wir hier schon eine große Vielfalt haben, wird der nächste (inhaltliche) Hype ein Variabilitätshype sein.
Denkt doch nur mal an alle der Generation jenseits der 60. Wieviel (Lebens-)Erfahrung und Geschichten, Wissen und Rückblicke noch warten ihren Weg ins Netz zu finden.
A-Blogs wird es dann immer noch geben. Wie es immer Meinungsführer gibt. Oder Unterhalter. Oder Goldsucher. A-Blogger sind für mich so etwas wie die Stefan Raabs des Web. Sie suchen die besonders interessanten Dinge raus. Die lustigen und unterhaltsamen. Das komprimierte Wissen und liefern kompakte Überblicke. Das ist eine Dienstleistung und die meisten erbringen diese Dienstleistung auch nur aus Spaß an der Sache. Sind sie dabei besonders geistreich, witzig, fleißig mit guter Nase für Themen werden sie auch sehr erfolgreich. Zu recht wie ich finde. Oder sie bekommen interessante Frisuren. Auch zu recht wie ich finde ;)
Das heißt noch lange nicht, daß hier auch gleich eine Wirtschaftlichkeit und Wertschöpfung einher geht. Muß auch gar nicht. Viele Blogger tauschen einfach nur zeit ein. Zeit, die sie sonst mit dem Konsum von Medien wie TV, DVDs, Büchern und Web 1.0 Seiten verbracht hätten. Statt sich nur mit Content zuballern zu lassen, setzen sich die Leute eben hin und ballern zurück. Dazu zähle ich mich selber auch. Statt Robs Beitrag zu lesen, darüber nachzudenken und seit gut 25 Minuten runter zu schreiben, hätte ich auch Trödeltrupp oder Bauer sucht Sau kucken können. Mache ich aber nicht. Ich produziere selbst etwas. Trage einen winzigkleinen Teil bei, setze gleich meinen Link und den Trackback und warte, ob Rob oder jemand aus den Kommentaren meine Meinung teilt, vehement widerspricht oder noch Argumente und Sichtweisen in die Diskussion mit einbringt, die ich bisher vergessen habe.
That’s Blogging Baby! Und das ist für mich SEHR wirtschaftlich, weil ICH mich dadurch weiterentwickle, neue Menschen und ihre ideen kennen lerne und daraus sicher irgendwann auf einem Weg, der mir jetzt noch gar nicht bewußt ist, wertschöpfung für mich generiere. Und sei es nur, irgendwann mal irgendwo mit irgendwem eine gute Tasse Kaffee zu trinken und ein interessantes Gespräch zu führen.
Womit Rob natürlich auch Recht hat ist die momentane Rat-, Konzept- und Ideenlosigkeit von Wirtschaftselite und (vieler aber nicht aller) Agenturen. Das wird schon Rob. Gib ihnen Zeit. Und ausserdem hätten Leute wie ich ja sonst nichts zu tun :)
Die Frage, warum wir in .de ausser Rivva und ansatzweise yigg keinen wirklichen Verteiler-Hub kennen, der vergleichbar mit alltop, popurls, digg, reddit, stumbleupon usw. für gemeinschaftliche Resonanz sorgt, kann ich mir auch nicht beantworten. Vermutlich fehlt hier einfach noch die Masse an qualitativ hochwertigen und kreativen Nischenbeiträgen, die auf solch einer Social Recommendation Plattform verbreitet werden könnten. Der Bedarf ist einfach noch nicht groß genug, die Übersicht behält man mit seinen Stammblogs noch ganz gut. Im Vergleich zu den sowohl zahlen,als content- und kreativitätsmäßig weit überlegenen Amis. Dann kommt natürlich dazu, dass deutschsprachige Blogger, die auf WIRKLICH große Reichweite und Leserzahen schielen gut beraten sind einfach gleich englisch und mit internationaler Ausrichtung loszubloggen.
Rob sieht in seiner Kristallkugel eine lange Lebensdauer und weitere Verbreitung des Virus, den wir heute als Blogging bezeichnen. Denn die letzten 10 Jahre und ihre Entwicklungen (Foren, Chats, Communities, Blogs, Social networks, Twitter, Posterous…) waren nur ein Vorläufer, eben der Pflug, der die bunte Wiese der Kommunikation annfängt umzupflügen und die Saat von Vernetzung und Verständigung in den Boden bringt.
Ein besseres Schlußwort kann ich nicht finden als Robert es schon geliefert hat:
Der Hype ist dem Bloggen nie gerecht geworden. Selbst der Hype hat dieses Thema weit unterschätzt.
Interessante Gedanken dazu hat sich auch Markus Fuchs vom Blog der 3sat Sendung neues, vor allem in Richtung Kombination Journalismus und Bürgerjournalismus gemacht. Allerdings frage ich mich auf Grund von Markus Verständnis von Robs Äußerungen zur Hypefrage, ob markus den Artikel bis zu Ende gelesen hat ;)
In einem bemerkenswerten Posting über den vorübergegangenen Hype der
Blogs und was vom Tage übrig blieb schreibt Robert Basic in seinem
posting:
Nur wir ahnen, was es bedeutet, wenn sich Menschen zunehmend vernetzen,
informieren, organisieren und austauschen. Wir ahnen und übertreiben
gerne. Doch am Ende haben wir meistens recht, selbst wenn wir es
“damals” nicht rational begründen konnten. Wir werden lernen, damit
umzugehen. Und diese Kulturtechnik in eine nachvollziehbare, erlernbare
Struktur pressen. Blogs im Sinne eines digitalen Publizierens steht
demnach ihre Blütezeit erst noch bevor? Anzunehmen, aber in Form des
heute so genannten “Bloggens” als vernetzte Kommunikationsform?
Der Gedanke, der mir dabei kam: Ist dieses öffentliche Ahnen und vor
allem aussprechen und öffentliche Äußern unserer Ahnungen in Blogs -
also in nachhaltiger Öffentlichkeit und Kommunikation ein
crowdgesourcetes, kollaboratives Bauchgefühl? In dem wir alle unsere
Ahnungen teilen und massenweise unsere Gedanken für jeden zugänglich
niederschreiben und vernetzen, schaffen wir damit den Nährboden, um aus
Ahnungen Vorhersagen und aus gemeinsamen Vorhersagen Konzepte und aus
diesen Konzepten Realität zu machen.
Wir gestalten die zukunft des Bloggens selbst. Durch Bloggen. Durch
Ausprobieren und das MACHEN aus intrinsischer Motivation wie es so
schön heißt. Aus spass am Vernetzen, am Diskutieren von Gedanken und
der gegenseitigen Vermittlung und Bewertung von Information.
Ich glaube, auf der grünen Wiese, auf der bisher gebloggt wurde, sind
grade mal die ersten Ackerfurchen gepflügt worden. Klar, das eine oder
andere Güllefaß wurde schon ausgekippt und Nährboden ist reichlich da.
Interessant wird es jetzt zu kucken, was wächst, wenn die Monokulturen
der stark selbstreferenzierten Social-Media und Blogosphäre Früchte
trägt und immer mehr alltägliche Blüten und Nischenpflänzchen trägt.
Meine Wunschvorstellung der Bloglandschaft ist die, in der ich zu jeder
Hunderasse, internationalen Küche, jedem Hobby und jeder Kunstrichtung,
Fernsehsendung und Handwerkersparte mehrere Nischenblogs finde in denen
sich Leute Gedanken und Mühe machen über IHR Thema zu schreiben und
sich auszutauschen. Öffentlich. Nicht um AdWords zu platzieren sondern,
weil sie sich gerne unterhalten. Weil sie Spaß daran haben täglich
neue, spannende Details aus ihrem Tätigkeitsfeld zu veröffentlichen.
Auch wenn wir hier schon eine große Vielfalt haben, wird der nächste
(inhaltliche) Hype ein Variabilitätshype sein.
Denkt doch nur mal an alle der Generation jenseits der 60. Wieviel
(Lebens-)Erfahrung und Geschichten, Wissen und Rückblicke noch warten
ihren Weg ins Netz zu finden.
A-Blogs wird es dann immer noch geben. Wie es immer Meinungsführer
gibt. Oder Unterhalter. Oder Goldsucher. A-Blogger sind für mich so
etwas wie die Stefan Raabs des Web. Sie suchen die besonders
interessanten Dinge raus. Die lustigen und unterhaltsamen. Das
komprimierte Wissen und liefern kompakte Überblicke. Das ist eine
Dienstleistung und die meisten erbringen diese Dienstleistung auch nur
aus Spaß an der Sache. Sind sie dabei besonders geistreich, witzig,
fleißig mit guter Nase für Themen werden sie auch sehr erfolgreich. Zu
recht wie ich finde. Oder sie bekommen interessante Frisuren. Auch zu
recht wie ich finde ;)
Das heißt noch lange nicht, daß hier auch gleich eine
Wirtschaftlichkeit und Wertschöpfung einher geht. Muß auch gar nicht.
Viele Blogger tauschen einfach nur zeit ein. Zeit, die sie sonst mit
dem Konssum von Medien wie TV, DVDs, Büchern und Web 1.0 Seiten
verbracht hätten. Statt sich nur mit Content zuballern zu lassen,
setzen sich die Leute eben hin und ballern zurück. Dazu zähle ich mich
selber auch. Statt Robs Beitrag zu lesen, darüber nachzudenken und seit
gut 25 Minuten runter zu schreiben, hätte ich auch Trödeltrupp oder
Bauer sucht Sau kucken können. Mache ich aber nicht. Ich produziere
selbst etwas. Trage einen winzigkleinen Teil bei, setze gleich meinen
Link und den Trackback und warte, ob Rob oder jemand aus den
Kommentaren meine Meinung teilt, vehement widerspricht oder noch
Argumente und Sichtweisen in die Diskussion mit einbringt, die ich
bisher vergessen habe.
That’s Blogging Baby! Und das ist für mich SEHR wirtschaftlich, weil
ICH mich dadurch weiterentwickle, neue Menschen und ihre ideen kennen
lerne und daraus sicher irgendwann auf einem Weg, der mir jetzt noch
gar nicht bewußt ist, wertschöpfung für mich generiere. Und sei es nur,
irgendwann mal irgendwo mit irgendwem eine gute Tasse Kaffee zu trinken
und ein interessantes Gespräch zu führen.
Womit Rob natürlich auch Recht hat ist die momentane Rat-, Konzept- und
Ideenlosigkeit von Wirtschaftselite und (vieler aber nicht aller)
Agenturen. Das wird schon Rob. Gib ihnen Zeit. Und aussedem hätten
Leute wie ich ja sonst nichts zu tun :)
Die Frage, warum wir in .de ausser Rivva und ansatzweise yigg keinen
wirklichen Verteiler-Hub kennen, der vergleichbar mit alltop, popurls,
digg, reddit, stumbleupon usw. für gemeinschaftliche Resonanz sorgt,
kann ich mir auch nicht beantworten. Vermutlich fehlt hier einfach noch
die Masse an qualitativ hochwertigen und kreativen Nischenbeiträgen,
die auf solch einer Social Recommendation Plattform verbreitet werden
könnten. Der Bedarf ist einfach noch nicht groß genug, die Übersicht
behält man mit seinen Stammblogs noch ganz gut. Im Vergleich zu den
sowohl zahlen,als content- und kreativitätsmäßig weit überlegenen Amis.
Dann kommt natürlich dazu, dass deutschsprachige Blogger, die auf
WIRKLICH große Reichweite und Leserzahen schielen gut beraten sind
einfach gleich englisch und mit internationaler Ausrichtung
loszubloggen.
Rob sieht in seiner Kristallkugel eine lange Lebensdauer und weitere
Verbreitung des Virus, den wir heute als Blogging bezeichnen. Denn die
letzten 10 Jahre und ihre Entwicklungen (Foren, Chats, Communities,
Blogs, Social networks, Twitter, Posterous…) waren nur ein Vorläufer,
eben der Pflug, der die bunte Wiese der Kommunikation annfängt
umzupflügen und die Saat von Vernetzung und Verständigung in den Boden
bringt.
Ein besseres Schlußwort kann ich nicht finden als Rob es schon
geliefert hat:
Der Hype ist dem Bloggen nie gerecht geworden. Selbst der Hype hat
dieses Thema weit unterschätzt.








[...] kann das so in der Kürze nicht widergeben, am besten auf alle Fälle selbst lesen: Selbst der Hype hat das Bloggen unterschätzt. Was mir persönlich ins Auge fällt, ist das Bekenntnis an der Lust zum gegenseitigen [...]