Unterschiede zwischen Web- und Print Design

Produktivität und DGK on Januar 9th, 2010 2 Comments

Wir wissen es zwar alle, aber in dieser Präse hier werden die wesentlichsten Unterschiede zwischen Web Design und Print Design ziemlich anschaulich auf knapp 40 Folien gegen über gestellt.

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Zweckpessimismus muss nicht sein. Danke an @SaschaLobo @kathrinpassig

Social Media on Dezember 7th, 2009 1 Comment

Gefühlte Informationsüberflutung und Kulturpessimismus gehen seit jeher Hand in Hand. Diejenigen, die sich von Information bis Oberkante Unterlippe geflutet fühlen japsen und gurgeln noch etwas von “Früher war alles besser” und “Anarchie” und “Wir werden alle im Chaos enden”.

Überforderung durch Innovationen, die nicht verstanden werden (wollen). “Früher sind wir ja auch ohne ausgekommen” meint eigentlich “Ich habe weder Lust, noch Zeit mich damit auseinander zu setzen, geschweige denn möchte ich mir die Blöße geben, einen 17-jährigen um Hilfe zu bitten”

Sascha Lobo setzt sich in der aktuellen Ausgabe 50 des Spiegels direkt mit Frank Schirrmachers Buch ‘Payback” auseinander. Er stellt bei einem kleinen Exkurs über Platon fest, dass selbst die alten Griechen (Betonung liegt besonders auf alt) schon zum Kulturpessimismus neigten und Sokrates befürchtete, die Einführung der Buchstaben und des Schreibens würden dem Volk das Auswendiglernen aberziehen und nur zu Belanglosen Texten führen (wer hätte gedacht, dass die heutige Hauptkritik an Blogs, Twitter usw. schon vor 2.400 Jahren an den weißen Haaren herbei gezogen wurde). Ich interpretiere das mal als antike Version von Volksverdummungshysterie (s.u.).

Ist das, was das Volk verdummen läßt, nicht vielmehr das Aufzwingen des Festhalten am Althergebrachten? Kirche statt Aufklärung, Pferd statt Auto, Fernsehkonsum statt eigener Produktivität und Kommunikation.

Der Beherrschbarkeit der Umwelt näher zu kommen sei das Ziel der intellektuellen Elite, vermutet Lobo. Ich glaube, derzeit ist für die intellektuelle Elite (zu der sich auch Schirrmacher vermutlich zählt) eine ganz neue Gefahr udn Konkurrenz hinzugekommen: Die Publikationsfähigkeit der Massen. Heute ist es nicht mehr nur einem bestsellertauglichen Autor oder einem elfenbeinturmerprobten Akademiker vorbehalten, öffentlich schwarz auf weiß für 24,80 EUR seine Gedanken loszuwerden und v.a. zu verkaufen.

Sascha Lobo hat es sich durch seine Online-Aktivitäten und Publikationen ermöglicht, eine Gegenrede auf den im Printbereich (noch) sehr viel etablierteren Frank Schirrmacher im Spiegel zu platzieren.

Mir ist es möglich auf beide Bezug nehmend, hier meine Gedanken öffentlich zu machen. Sicher nicht mit der gleichen Reichweite, aber mit der gleichen Nachhaltigkeit.

Die Gefahr für die beschriebene intellektuelle Elite ist v.a. das Wegfallen Ihrer Alleinstellungsmerkmale und die Hoheit über Kommunikationskanäle. Sei es in der Herrschaft über Veröffentlichungen und Filterungen, als auch in der Vorgabe von Relevanz durch Redaktionen. Wie Lobo treffend beschreibt sieht sich die etablierte Medienlandschaft nicht nur einer massiven technologischen Veränderung gegenüber, sondern auch einer sozialen. Die Massen können gezielter wählen, kommentieren und selbst Inhalte in diese Medienlandschaft einbringen. Von einer einfachen Bewertung eines Artikels, über Kommentare und Videobeiträge bis hin zu eigenen Artikeln und sogar Büchern.

Und:
Die Eliten können öffentlich kritisiert, in Frage gestellt und mit oder ohne sie argumentiert werden.

Dadurch entsteht für den pessimistischen Betrachter eine Spirale aus immer schlechter überschaubaren und bewertbaren Inhalten, Aussagen und Meinungen, die sich gegenseitig potenzieren. Bei realistischer Einschätzung und mittelmäßigem technischen Hintergrundwissen stellt man sehr schnell fest, dass sich schon mit wenig Arbeit ein Überblick und Filtersystem aufbauen läßt, mit denen jeder Einzelne die ewige Informationsflut (die Lobo klasse mit dem Beispiel der Bibliothek von Alexandria und ihren geschätzten 4000km Textrollen belegt) zum ersten mal in der Geschichte selbstständig in den Griff bekommen kann.

Und auch im Fazit gebe ich Lobo Recht. Wir, die wir mit dem digitalen Löffel im Mund geboren wurden und mit der Technologie aufgewachsen sind, aber auch noch die herkömmlichen Kommunikationsmittel wie unsere Vorgängergenerationen (die Lobo wunderbar formuliert “vordigital Geprägte” nennt) genutzt haben, sollten für den Brückenschlag sorgen und unterstützen. Zugangsbarrieren abschaffen, Technik vereinfachen und die Angst nehmen, den Anschluß zu verlieren.

Wie muß sich ein Journalist oder Autor der alten Schule fühlen, der sich ein Leben lang darauf verlassen konnte mit Schreiben auf Papier sein Leben zu bestreiten, wenn er plötzlich von einigen 100 Millionen Konkurrenten überspült wird? Nicht die direkte Konkurrenz wird da gefürchtet, sondern das buchstäbliche Untergehen in der Masse.

Von den rein Konsumierenden mal ganz zu schweigen. Deren gefühlte Informationsbeschaffungspflicht sich früher auf Tageszeitung, Tagesschau und Tagestratsch am Gartenzaun beschränkte und nun um Blogs, RSS-Feeds, Twitter und Podcasts erweitert werden soll. Gefolgt von der nötigen Medienkompetenz zu entscheiden, welches Medium von welchem Autor gerade glaubwürdig und relevant ist.

Da kann man schonmal pessimistisch werden ;) Und jemand wie ich muß sich mit dem Evangelisieren und schlichtem Abtun der Bedenken und Vorbehalte schwer zurück halten, um jemand aus der Gruppe der Vor-Digitalen nicht gleich persönlich zu überfordern.

Sascha Lobos Autorenkollegin Kathrin Passig (mit der zusammen er das Buch “Dinge geregelt kriegen ohne einen Funken Selbstdisziplin” geschrieben hat und zusammen das Blog Riesenmaschine betreibt – welches er übrigens sehr geschickt als “selbst geschaffene Riesenmaschine der Zivilisation” auf Seite 142 in SPIEGEL 50/2009 unterbringt *g*) machte sich kürzlich ganz ähnliche Gedanken in Ihrer internetkolumne auf merkur-online mit dem Titel Standardsituationen der Technologiekritik

Dort teilte sie zunächst die Ausprägungen von Innovationskritik in mehrere Stadien ein, die ich hier zur eigenen Erinnerung mal eben in eigenen Worten zusammenfassen möchte:

1. Zunächst fragen sich die Kritiker: “Wofür soll DAS bitte gut sein?”
2. Wenn der Nutzen verstanden wurde, wird die Hinterfrage personenbezogen “Wer will so etwas?” und kommt dann
3. zu dem Schluss: “Die Einzigen, die das Neue wollen, sind zweifelhafte oder privilegierte Minderheiten.” und hofft
4. Dass das ganze als Modeerscheinung bald wieder vorbeigeht
5. Etabliert sich die Innovation dann doch, werden die Auswirkungen als marginal herabgespielt, um Schlimmeres zu verhindern
6. Zwischendurch stellt man sich schon das erste Mal die Frage, ob sich da nicht vielleicht zumindest Geld verdienen läßt
7. Stellt sich die Frage nach der Qualität und ob das Neue einfach nicht gut genug sei und auf Dauer viel zu teuer käme
8. Das Neue ist natürlich störanfällig und viel zu kompliziert (s.o.) und wird sich dementsprechend nicht durchsetzen
9. Gilt das Neue als nicht vertauenswürdig – vgl. mit Wegweisern, die von Saboteuren in falsche Richtungen gedreht werden, um den offensichtlichen Nutzen zu diskreditieren
10. Diese Irreleitung schlägt sich dann auf all die “Schwächeren” (gemeint sind hier imho diejenigen, die nicht alles hinterfragen, sondern einfach machen, ausprobieren) nieder, die mit dem Neuen nicht umzugehen wissen. Geschweige denn es kritisch beurteilen würden.
11. Bald schon wird das Neue in alte Verhaltensregeln gepresst und eine “Etikette”, ein Knigge für den richtigen Umgang entwickelt
12. Das Neue wird den bisherigen Umgang mit dem betreffenden Thema zum schlchten ändern. Seien es Denk, Lese und Schreibtechniken, die Art und Weise des Autofahrens, des Musizierens, der Kindererziehung usw.

Schaut man sich aktuelle Bestsellerlisten an, dann wäre es eine schlichte Untertreibung von einer pessimistischen Prägung zu sprechen. Gnadenlose Nörgelei und Früher-war-alles-besser-Literatur trifft es da schon genauer. Es müssen nicht zwangsläufig alle der o.g. Stadien durchlaufen werden, um ein solche “kulturkritisches Werk” auf die Beine zu stellen, aber das besonders häufig auftauchende Thema “Verblödung” verrät meist schon, wohin die Reise geht. Statt ernst zu nehmende, konstruktive Auseinandersetzung mit Innovationsansätzen zu betreiben, also den Blick nach vorne zu richten, wird Lexikonwissen auf ein Podest gestellt, ordentlich auf neue Fähigkeiten, Methoden und Umgangsweisen mit Wissen eingeprügelt, ans Altbewährte aus Opas Zeiten geklammert und die Verdummungsinquisition durch’s Moderne herauf beschworen:

“Alles blöd außer ich und was ich kenne.”

Vor ein paar Wochen bin ich 35 geworden und bin somit altersmäßig noch weit davon entfernt, mich in die Riege der Status-Quo-Erhalter einsortieren zu müssen. Ich hoffe noch ein paar Jahre mit Innovationen und interessanten Entwicklungen herumspielen zu dürfen und verspreche mein Bestes zu geben noch so lange wie möglich bei letzterem zu bleiben. Für die Ecke der Konservierungsbefürworter bin ich einfach zu neugierig.

Und sonst muß eben verlernt werden. Ein besseres Schlußwort, als das was Kathrin Passig bereits in Ihrem Artikel gefunden hat kann ich nicht liefern, deswegen zitiere ich einfach. Nicht weil ich durch zuviel Neues mittlerweile zu blöd wäre, mir etwas eigenes einfallen zu lassen, sondern weil ich dank des Internets zitieren und verlinken kann.

Also lege ich dem geneigten Leser hier nahe, auch Frau Passigs großartigen Text vollständig mitzunehmen. Am besten ausdrucken und bei aufkeimenden “Was ist das für neumodischer Krams”-Gedanken erst nochmal lesen.

“Wer darauf besteht, zeitlebens an der in jungen Jahren gebildeten Vorstellung von der Welt festzuhalten, entwickelt das geistige Äquivalent zu einer Drüberkämmer-Frisur: Was für einen selbst noch fast genau wie früher aussieht, sind für die Umstehenden drei über die Glatze gelegte Haare. So lange wir uns nicht wie im Film Men in Black blitzdingsen lassen können, müssen wir uns immer wieder der mühsamen Aufgabe des Verlernens stellen. Mit etwas Glück hat der Staat ein Einsehen und bietet in Zukunft Erwachsenenbildungsmaßnahmen an, in denen man hinderlich gewordenes Wissen – sagen wir: über Bibliotheken, Schreibmaschinen, Verlage oder das Fernsehen – ablegen kann.”

Herrn Lobos Text gibt es aktuell wohl nur am Kiosk. Und ihc stelle gerade die Frage, ob sich hier eine signifikante Verkaufssteigerung durch die Onlinediskussion zum Artikel ergeben mag?

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Schöne Social Media Aktion von IKEA auf Facebook @tspe

Social Media on November 20th, 2009 5 Comments

Eben habe ich tspe bei Twitter eine sehr intelligente Social Media Aktion von IKEA auf Facebook entdeckt. Erstaunlich, daß hier einer der ganz großen Konzerne auf diese idee gekommen ist, denn eigentlich wäre die Aktion predestiniert für kleinere Unternehmen. IKEA hat sich auf intelligente Art und Weise eine Funktion von Facebook (und vielen anderen Social Networks) zu Nutze gemacht:

Das Foto Taggen. Bedeutet: Ich verlinke einen bestimmten Bereich eines Fotos mit meinem Profil. Dieses Feature ist eigentlich dafür vorgesehen, in Social Networks mein eigenes Gesicht auf Bildern von anderen zu markieren.

IKEA hat die Funktonalität etwas abgewandelt und 12 Katalogbilder zu Facebook hochgeladen. Wer zuerst sein Fototag auf ein Möbelstück gesetzt hat, hat das IKEA-Produkt gewonnen. Damit gab es nicht nur mehrere 1.000 Teilnehmer an dem Gewinnspiel selbst. Mit der Markierungmedlung im eigenen Newsfeed haben die Nutzer natürlich alle ihre Freunde auf die Katalog-Bilder aufmerksam  gemacht. Genial oder?

Die Facebook-User betteln jetzt schon um neue IKEA Bilder :) So macht man sich Social Media Mechaniken zusammen mit dem natürlichen Jagdtrieb des Menschen zu Nutze. Social Schnäppchen Hunting sozusagen. Mehr davon!

Im Nachgang hat IKEA die gelungene Aktion in einem kurzen Video dokumentiert, erläutert und das Video über youtube verbreitet.Über diesen Weg ist es dann auch zu mir gekommen. Der eigentliche Mehrwert für mich bsw. ist gar nicht mal ein IKEA Möbelstück zu gewinnen, sondern diese nette Idee hier fest zu halten.

Trotzdem erreicht IKEA damit eine Mehrfachverwertung sowohl auf direkter Kunden, als auch auf der Marketing-Meta-Ebene.

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via tspe posterous

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Selbst der Hype hat das Bloggen unterschätzt

Enterprise 2.0, Social Media on November 11th, 2009 1 Comment

In einem bemerkenswerten Posting über den vorübergegangenen Hype der Blogs und was vom Blogge übrig blieb schreibt Robert Basic auf seinem Blog (sorry, Rob, wenn ich Dir im Titel schon Deine Pointe wegnehme *g*):

Nur wir ahnen, was es bedeutet, wenn sich Menschen zunehmend vernetzen, informieren, organisieren und austauschen. Wir ahnen und übertreiben gerne. Doch am Ende haben wir meistens recht, selbst wenn wir es “damals” nicht rational begründen konnten. Wir werden lernen, damit umzugehen. Und diese Kulturtechnik in eine nachvollziehbare, erlernbare Struktur pressen. Blogs im Sinne eines digitalen Publizierens steht demnach ihre Blütezeit erst noch bevor? Anzunehmen, aber in Form des heute so genannten “Bloggens” als vernetzte Kommunikationsform?

Der Gedanke, der mir dabei kam: Ist dieses öffentliche Ahnen und vor allem aussprechen und öffentliche Äußern unserer Ahnungen in Blogs – also in nachhaltiger Öffentlichkeit und Kommunikation ein crowdgesourcetes, kollaboratives Bauchgefühl? In dem wir alle unsere Ahnungen teilen und massenweise unsere Gedanken für jeden zugänglich niederschreiben und vernetzen, schaffen wir damit den Nährboden, um aus Ahnungen Vorhersagen und aus gemeinsamen Vorhersagen Konzepte und aus diesen Konzepten Realität zu machen.

Wir gestalten die zukunft des Bloggens selbst. Durch Bloggen. Durch Ausprobieren und das MACHEN aus intrinsischer Motivation wie es so schön heißt. Aus spass am Vernetzen, am Diskutieren von Gedanken und der gegenseitigen Vermittlung und Bewertung von Information.

Ich glaube, auf der grünen Wiese, auf der bisher gebloggt wurde, sind grade  mal die ersten Ackerfurchen gepflügt worden. Klar, das eine oder andere Güllefaß wurde schon ausgekippt und Nährboden ist reichlich da. Interessant wird es jetzt zu kucken, was  wächst, wenn die Monokulturen der stark selbstreferenzierten Social-Media und Blogosphäre Früchte trägt und immer mehr alltägliche Blüten und Nischenpflänzchen trägt.

Meine Wunschvorstellung der Bloglandschaft ist die, in der ich zu jeder Hunderasse, internationalen Küche, jedem Hobby und jeder Kunstrichtung, Fernsehsendung und Handwerkersparte mehrere Nischenblogs finde in denen sich  Leute Gedanken und Mühe machen über IHR Thema zu schreiben und sich auszutauschen. Öffentlich. Nicht um AdWords zu platzieren sondern, weil sie sich gerne unterhalten. Weil sie Spaß daran haben täglich neue, spannende Details aus ihrem Tätigkeitsfeld zu veröffentlichen. Auch wenn wir hier schon eine große Vielfalt haben, wird der nächste (inhaltliche) Hype ein Variabilitätshype sein.

Denkt doch nur mal an alle der Generation jenseits der 60. Wieviel (Lebens-)Erfahrung und Geschichten, Wissen und Rückblicke noch warten ihren Weg ins Netz zu finden.

A-Blogs wird es dann immer noch geben. Wie es immer Meinungsführer gibt. Oder Unterhalter. Oder Goldsucher. A-Blogger sind für mich so etwas wie die Stefan Raabs des Web. Sie suchen die besonders interessanten Dinge raus. Die lustigen und unterhaltsamen. Das komprimierte Wissen und liefern kompakte Überblicke. Das ist eine Dienstleistung und die meisten erbringen diese Dienstleistung auch nur aus Spaß an der Sache. Sind sie dabei besonders geistreich, witzig, fleißig mit guter Nase für Themen werden sie auch sehr erfolgreich. Zu recht wie ich finde. Oder sie bekommen interessante Frisuren. Auch zu recht wie ich finde ;)

Das heißt noch lange nicht, daß hier auch gleich eine Wirtschaftlichkeit und Wertschöpfung einher geht. Muß auch gar nicht. Viele Blogger tauschen einfach nur zeit ein. Zeit, die sie sonst mit dem Konsum von Medien wie TV, DVDs, Büchern und Web 1.0 Seiten verbracht hätten. Statt sich nur mit Content zuballern zu lassen, setzen sich die Leute eben hin und ballern zurück. Dazu zähle ich mich selber auch. Statt Robs Beitrag zu lesen, darüber nachzudenken und seit gut 25 Minuten runter zu schreiben, hätte ich auch Trödeltrupp oder Bauer sucht Sau kucken können. Mache ich aber nicht. Ich produziere selbst etwas. Trage einen winzigkleinen Teil bei, setze gleich meinen Link und den Trackback und warte, ob Rob oder jemand aus den Kommentaren meine Meinung teilt, vehement widerspricht oder noch Argumente und Sichtweisen in die Diskussion mit einbringt, die ich bisher vergessen habe.

That’s Blogging Baby! Und das ist für mich SEHR wirtschaftlich, weil ICH mich dadurch weiterentwickle, neue Menschen und ihre ideen kennen lerne und daraus sicher irgendwann auf einem Weg, der mir jetzt noch gar nicht bewußt ist, wertschöpfung für mich generiere. Und sei es nur, irgendwann mal irgendwo mit irgendwem eine gute Tasse Kaffee zu trinken und ein interessantes Gespräch zu führen.

Womit Rob natürlich auch Recht hat ist die momentane Rat-, Konzept- und Ideenlosigkeit von Wirtschaftselite und (vieler aber nicht aller) Agenturen. Das wird schon Rob. Gib ihnen Zeit. Und ausserdem hätten Leute wie ich ja sonst nichts zu tun :)

Die Frage, warum wir in .de ausser Rivva und ansatzweise yigg keinen wirklichen Verteiler-Hub kennen, der vergleichbar mit alltop, popurls, digg, reddit, stumbleupon usw. für gemeinschaftliche Resonanz sorgt, kann ich mir auch nicht beantworten. Vermutlich fehlt hier einfach noch die Masse an qualitativ hochwertigen und kreativen Nischenbeiträgen, die auf solch einer Social Recommendation Plattform verbreitet werden könnten. Der Bedarf ist einfach noch nicht groß genug, die Übersicht behält man mit seinen Stammblogs noch ganz gut. Im Vergleich zu den sowohl zahlen,als content- und kreativitätsmäßig weit überlegenen Amis. Dann kommt natürlich dazu, dass deutschsprachige Blogger, die auf WIRKLICH große Reichweite und Leserzahen schielen gut beraten sind einfach gleich englisch und mit internationaler Ausrichtung loszubloggen.

Rob sieht in seiner Kristallkugel eine lange Lebensdauer und weitere Verbreitung des Virus, den wir heute als Blogging bezeichnen. Denn die letzten 10 Jahre und ihre Entwicklungen (Foren, Chats, Communities, Blogs, Social networks, Twitter, Posterous…) waren nur ein Vorläufer, eben der Pflug, der die bunte Wiese der Kommunikation annfängt umzupflügen und die Saat von Vernetzung und Verständigung in den Boden bringt.

Ein besseres Schlußwort kann ich nicht finden als Robert es schon geliefert hat:

Der Hype ist dem Bloggen nie gerecht geworden. Selbst der Hype hat dieses Thema weit unterschätzt.

Interessante Gedanken dazu hat sich auch Markus Fuchs vom Blog der 3sat Sendung neues, vor allem in Richtung Kombination Journalismus und Bürgerjournalismus gemacht. Allerdings frage ich mich auf Grund von Markus Verständnis von Robs Äußerungen zur Hypefrage, ob markus den Artikel bis zu Ende gelesen hat ;)

Der Hype ist vorbei – aber bloggen machen wir!

In einem bemerkenswerten Posting über den vorübergegangenen Hype der

Blogs und was vom Tage übrig blieb schreibt Robert Basic in seinem

posting:

Nur wir ahnen, was es bedeutet, wenn sich Menschen zunehmend vernetzen,

informieren, organisieren und austauschen. Wir ahnen und übertreiben

gerne. Doch am Ende haben wir meistens recht, selbst wenn wir es

“damals” nicht rational begründen konnten. Wir werden lernen, damit

umzugehen. Und diese Kulturtechnik in eine nachvollziehbare, erlernbare

Struktur pressen. Blogs im Sinne eines digitalen Publizierens steht

demnach ihre Blütezeit erst noch bevor? Anzunehmen, aber in Form des

heute so genannten “Bloggens” als vernetzte Kommunikationsform?

Der Gedanke, der mir dabei kam: Ist dieses öffentliche Ahnen und vor

allem aussprechen und öffentliche Äußern unserer Ahnungen in Blogs –

also in nachhaltiger Öffentlichkeit und Kommunikation ein

crowdgesourcetes, kollaboratives Bauchgefühl? In dem wir alle unsere

Ahnungen teilen und massenweise unsere Gedanken für jeden zugänglich

niederschreiben und vernetzen, schaffen wir damit den Nährboden, um aus

Ahnungen Vorhersagen und aus gemeinsamen Vorhersagen Konzepte und aus

diesen Konzepten Realität zu machen.

Wir gestalten die zukunft des Bloggens selbst. Durch Bloggen. Durch

Ausprobieren und das MACHEN aus intrinsischer Motivation wie es so

schön heißt. Aus spass am Vernetzen, am Diskutieren von Gedanken und

der gegenseitigen Vermittlung und Bewertung von Information.

Ich glaube, auf der grünen Wiese, auf der bisher gebloggt wurde, sind

grade  mal die ersten Ackerfurchen gepflügt worden. Klar, das eine oder

andere Güllefaß wurde schon ausgekippt und Nährboden ist reichlich da.

Interessant wird es jetzt zu kucken, was  wächst, wenn die Monokulturen

der stark selbstreferenzierten Social-Media und Blogosphäre Früchte

trägt und immer mehr alltägliche Blüten und Nischenpflänzchen trägt.

Meine Wunschvorstellung der Bloglandschaft ist die, in der ich zu jeder

Hunderasse, internationalen Küche, jedem Hobby und jeder Kunstrichtung,

Fernsehsendung und Handwerkersparte mehrere Nischenblogs finde in denen

sich  Leute Gedanken und Mühe machen über IHR Thema zu schreiben und

sich auszutauschen. Öffentlich. Nicht um AdWords zu platzieren sondern,

weil sie sich gerne unterhalten. Weil sie Spaß daran haben täglich

neue, spannende Details aus ihrem Tätigkeitsfeld zu veröffentlichen.

Auch wenn wir hier schon eine große Vielfalt haben, wird der nächste

(inhaltliche) Hype ein Variabilitätshype sein.

Denkt doch nur mal an alle der Generation jenseits der 60. Wieviel

(Lebens-)Erfahrung und Geschichten, Wissen und Rückblicke noch warten

ihren Weg ins Netz zu finden.

A-Blogs wird es dann immer noch geben. Wie es immer Meinungsführer

gibt. Oder Unterhalter. Oder Goldsucher. A-Blogger sind für mich so

etwas wie die Stefan Raabs des Web. Sie suchen die besonders

interessanten Dinge raus. Die lustigen und unterhaltsamen. Das

komprimierte Wissen und liefern kompakte Überblicke. Das ist eine

Dienstleistung und die meisten erbringen diese Dienstleistung auch nur

aus Spaß an der Sache. Sind sie dabei besonders geistreich, witzig,

fleißig mit guter Nase für Themen werden sie auch sehr erfolgreich. Zu

recht wie ich finde. Oder sie bekommen interessante Frisuren. Auch zu

recht wie ich finde ;)

Das heißt noch lange nicht, daß hier auch gleich eine

Wirtschaftlichkeit und Wertschöpfung einher geht. Muß auch gar nicht.

Viele Blogger tauschen einfach nur zeit ein. Zeit, die sie sonst mit

dem Konssum von Medien wie TV, DVDs, Büchern und Web 1.0 Seiten

verbracht hätten. Statt sich nur mit Content zuballern zu lassen,

setzen sich die Leute eben hin und ballern zurück. Dazu zähle ich mich

selber auch. Statt Robs Beitrag zu lesen, darüber nachzudenken und seit

gut 25 Minuten runter zu schreiben, hätte ich auch Trödeltrupp oder

Bauer sucht Sau kucken können. Mache ich aber nicht. Ich produziere

selbst etwas. Trage einen winzigkleinen Teil bei, setze gleich meinen

Link und den Trackback und warte, ob Rob oder jemand aus den

Kommentaren meine Meinung teilt, vehement widerspricht oder noch

Argumente und Sichtweisen in die Diskussion mit einbringt, die ich

bisher vergessen habe.

That’s Blogging Baby! Und das ist für mich SEHR wirtschaftlich, weil

ICH mich dadurch weiterentwickle, neue Menschen und ihre ideen kennen

lerne und daraus sicher irgendwann auf einem Weg, der mir jetzt noch

gar nicht bewußt ist, wertschöpfung für mich generiere. Und sei es nur,

irgendwann mal irgendwo mit irgendwem eine gute Tasse Kaffee zu trinken

und ein interessantes Gespräch zu führen.

Womit Rob natürlich auch Recht hat ist die momentane Rat-, Konzept- und

Ideenlosigkeit von Wirtschaftselite und (vieler aber nicht aller)

Agenturen. Das wird schon Rob. Gib ihnen Zeit. Und aussedem hätten

Leute wie ich ja sonst nichts zu tun :)

Die Frage, warum wir in .de ausser Rivva und ansatzweise yigg keinen

wirklichen Verteiler-Hub kennen, der vergleichbar mit alltop, popurls,

digg, reddit, stumbleupon usw. für gemeinschaftliche Resonanz sorgt,

kann ich mir auch nicht beantworten. Vermutlich fehlt hier einfach noch

die Masse an qualitativ hochwertigen und kreativen Nischenbeiträgen,

die auf solch einer Social Recommendation Plattform verbreitet werden

könnten. Der Bedarf ist einfach noch nicht groß genug, die Übersicht

behält man mit seinen Stammblogs noch ganz gut. Im Vergleich zu den

sowohl zahlen,als content- und kreativitätsmäßig weit überlegenen Amis.

Dann kommt natürlich dazu, dass deutschsprachige Blogger, die auf

WIRKLICH große Reichweite und Leserzahen schielen gut beraten sind

einfach gleich englisch und mit internationaler Ausrichtung

loszubloggen.

Rob sieht in seiner Kristallkugel eine lange Lebensdauer und weitere

Verbreitung des Virus, den wir heute als Blogging bezeichnen. Denn die

letzten 10 Jahre und ihre Entwicklungen (Foren, Chats, Communities,

Blogs, Social networks, Twitter, Posterous…) waren nur ein Vorläufer,

eben der Pflug, der die bunte Wiese der Kommunikation annfängt

umzupflügen und die Saat von Vernetzung und Verständigung in den Boden

bringt.

Ein besseres Schlußwort kann ich nicht finden als Rob es schon

geliefert hat:

Der Hype ist dem Bloggen nie gerecht geworden. Selbst der Hype hat

dieses Thema weit unterschätzt.

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Gestern beim MediaTalk: “Was ist Webwissen wert?” @lyssaslounge @frischkopp

Social Media on November 11th, 2009 3 Comments

Auf der Bühne des Ringlokschuppens diskutierten im Rahmen des Media.Talks 2009 gestern die Chefredakteurin und Geschäftsführerin von “Der WestenKatharina Borchert (ab 1.4.2010 allerdings Chefin von Spiegel Online), der Vorstandsvositzende der Bertelsmann AG Hartmut Ostrowski, der Pressesprecher von Google Deutschland Stefan Keuchel und der Leiter des Ressort Wissenschaft beim WDR Thomas Hallet die Frage:

Google Dir Deine Bildung – Was ist Webwissen wert?

Der Media Talk 2009 ist eine Veranstaltung der Bielefelder Fachhochschule des Mittelstands (FHM) und wird vollständig durch die Studierenden organisert. An dieser mit 700 Besuchern (Bertelsmann hat seinen Mitarbeitern wohl nen halben Tag Urlaub gewährt) großen Veranstaltung (für Bielefelder Verhältnisse) im Ringlokschuppen waren 75 Studenten in der Organisation beteiligt und sie haben ein beachtliches Event auf die Beine gestellt.

Die ganze Sache fing etwas verspätet, aber dafür sehr unterhaltsam an: Googler Keuchel hatte zwar seine Bahnverbindung von Hamburg nach Bielefeld bei seinem Arbeitgeber rausgesucht, aber leider eben die direkte Verbindung – nicht die Umsteigestationen. Und so ist er statt in Hannover umzusteigen bis Göttingen durch gerauscht und von dort mit dem Taxi nach Bielefeld. Sympathisch – das hätte auch mir passieren können ;)

Nach einer kleinen Vorstellungs- Mediennutzungsschilderungs- und Geplänkelrunde ging es dann wenig kontrovers ans Eingemachte. Relativ schnell war auch klar, wer die Rolle des Buhmanns an diesem Abend übernehmen würde: Fernsehmann Thomas Hallet, der zunächst mal Google dafür kritisierte, bei einer Suche nach Schweinegrippe und Impfung keine verlässlichen Informationen darüber zu liefern, ob eine Impfung Sinn mache oder nicht. Zudem seien seine ersten 10 Suchergebnisse alle mind. eine Woche alt gewesen. Gut, daß Keuchel hier direkt eingreifen konnte und einerseits klarstellte, daß die Lieferung einer verläßlichen medizinischen Information genauso wenig Googles Auftrag sei, wie die Archivierung oder gar Vermittlung von Wissen. Andererseits deutete er sanft (und ich glaube aus der 5. Reihe erkannt zu haben mit einem Augenzwinkern) an, daß die Qualität der Suchergebnisse bei Google durchaus im direkten Zusammenhang mit der Suchkompetenz des Anwenders stünden ;)
Ohne mich rühmen zu wollen, aber ich habe einige hilfreiche Informationen zu der Frage “Schweinegrippe Impfung Ja oder Nein” beim ersten Versuch gefunden. Aber ich werde es wohl erstmal sein lassen.
Unterstrichen wurden Keuchels Ausführungen noch von Ostrowski, der anmerkte vor 20 Jahren hätte man eben 5 verschiedene Meinungen von 5 verschiedenen Ärzten erhalten und wäre danach ebenso schlau – oder eben nicht gewesen.

Die Begriffstrennung zwischen  Information, Wissen und Bildung war schlichtweg nicht vorhanden. Auf dem Podium wurden munter Information, Refelektieren, Nachrichten, journalistische Arbeit, Wissen und Bildung durcheinander geschmissen. Hier fehlte ganz klar die Struktur und Aufklärung des Publikums um was es da eigentlich grade geht. Tägliche Information aus Nachrichtenmedien? Verlässlichkeit der Wikipedia, Bildung aus Sendungen wie Supernanny und “Raus aus der Schuldenfalle” oder Schul-Recherche zu einem Hai-Referat bis hin zur Verewndung dieser recherchierten Informationen. Das ganze gipfelte dann darin, daß Thomas Hallet die Schüler und Studenten grundsätzlich unter den Generalverdacht des Plagiats stellen wollte. Das Internet ermögliche ja schließlich schnelles Cut&Pasten. (Klar, da muß man kein “Native Digital” für sein ;))

Glücklicherweise relativierte der Rest des Podiums – allen voran Katharina Borchert diese These damit, daß heute zwar dank Copy&Paste das beispielhafte Referat über Haie relativ schnell ohne den Weg in die Bibliothek geschrieben werden könnte. Dort wäre vor zehn Jahren eben noch von Hand abgeschrieben worden. Professoren und Lehrer haben es heute dank Google dafür auch leichter recht schnell die Abschreiber identifizieren zu können. Wenn sie es denn tun. Und ergänzte noch, daß wir heute die großartige Möglichkeit haben, über Wikipedia viele Referenzen zum Thema Haie zu finden und uns auf youtube verschiedenste Filme zu Haien in freier Wildbahn anzusehen, ohne auf eine entsprechende Sendung im TV-Programm zu warten.

Sie haben eben übrigens richtig gelesen: Als Bildung bezeichnete Hartmut Ostrowski solche Formate wie “Die Supernanny” und “Raus aus der Schuldenfalle” seines Senders RTL tatsächlich. Und wissen Sie was? da hat der Mann auch gar nicht SO Unrecht. Von Bildung zu sprechen ist hier vielleicht etwas hoch ins Regal gegriffen, aber dass mit solchen Formaten gewisse Kompetenzen vermittelt werden, die vielen Menschen heute fehlen kann man nicht abstreiten. Wenn die Kiddies früher den Eltern auf der Nase rumgetanzt sind, dann kam halt mal die resolute Oma vorbei und hat auf den Tisch gehauen. Wenn es ein Schuldenproblem gab, dann kam lange VOR der Schuldenfalle der Unternehmer Onkel vorbei und hat sowohl mit Wissen, als auch mit ein paar Mark unterstützt. Und wo früher Freunde und Familien Häuser renoviert haben, da macht Tine jetzt eben Ihren “Einmarsch in vier Wänden”. Sozialkompetenz wird eben nicht mehr nur am Familienlagerfeuer vermittelt, sondern von demselben . Es heisst eben nur Fernsehen heute.

Letztendlich meinte Hallet eigentlich den ganzen Abend das richtige: Nämlich Medienkompetenz. Und das wir hier noch eine echte Aufgabe vor uns haben, diese Medienkompetenz zu entwickeln. Hallet wollte diese Aufgabe aber beratungsresistent bei Google und anderen Informationsanbietern im Netz sehen, statt beim Anwender. Gut, er kommt aus der Erklärbärwelt des WDR, hat für Quarks&Co gearbeitet und da wird zwar schließlich hochkompetent Information vermittelt, aber dem Zuschauer auch jede Möglichkeit zum Hinterfragen und zum Entwickeln eigener Gedanken abgenommen.

Diese sehr fernsehgeprägte Sicht trieb er dann allerdings noch echt auf die Spitze, daß es schon unfreiwillig komisch wurde. Da stellte er sich die Frage, ob es denn in Ordnung sei, wenn beim Familienfernsehabend alle (vor allem die Kinder) ihre Laptops auf dem Schoß haben und auf StudiVZ rumsurfen. Großartig. Die Kids pflegen ihre sozialen Kontakte, statt sich gähnend fades TV-Programm reinzuziehen und Vattern sitzt da und schmollt, weil die Family nicht gemeinschaftlich in die Röhre glotzt. Das erinnert mich dran, wenn mir als Kind gesagt wurde, ich solle beim Essen nicht lesen.

Katharina Borchert konnte hier zwischenzeitlich sehr gut einen der Hauptnutzen von Twitter als Lieferanten von relevanten Informationen verdeutlichen, in dem die interessanten und aktuellen Nachrichten zum Nutzer kommen. Gefiltert und verstärkt durch sein Kontaktnetzwerk. Ausserdem sprach sie von einer Studie, die nachgewiesen hat Nutzer von sozialen Netzwerken hätten auch im “Real Life” mehr und stärkere soziale Kontakte als Menschen, die nicht in sozialen Netzwerken unterwegs sind.

Gänzlich im Raum stehen blieb die Aussage von Ostrowski, daß auch mit Webinhalten natürlich weiter Geld verdient werden soll und Wertschöpfungsmodelle für Paidcontent geschaffen werden müssen. Da fehlte mir doch etwas das in die Bresche springen des Öffentlich-Rechtlichen-Vertreter, der seinen Bildungsauftrag gegen den privaten TV-Sender-Besitzer-Vorstand verteidigt. Aber gut, leben wollen wir ja alle von etwas und der Versuch mit Webinhalten Geld zu verdienen ist ja nicht verwerflich, aber sehr, sehr schwer. Ausser für Google. Die sind sehr zufrieden – denn von den 1,5 Milliarden Werbegeldern, die letztes Jahr im Web ausgegeben wurden gingen schonmal 50% an Google ;) DAS nenne ich mal wertschöpfend. Glücklicherweise gingen die Medienschaffenden hier aber nicht allzu sehr in die Tiefe. Titel der Veranstaltung war ja “Was ist Webwissen wert” und durch die vorgegebenen Fragestellungen der FHM-Studierenden meinte “wert” hier informativen wert und nicht “wie lassen sich Zeitschriften mit Bezahlinhalten langfristig retten”.

Als es dann um das Thema Qualitätsjournalismus ging hatte Thomas Hallet auch noch einmal seinen Glanzmoment, als er sagte, Journalisten sollten nicht nur Online rumrecherchieren und daraus Geschichten basteln, sondern auch wieder mehr raus gehen und das erleben, worüber sie später schreiben. Vollste Zustimmung.

Insgesamt war der Abend für jemanden der im Thema steckt zwar etwas oberflächlich und für eine Podiumsdiskussion nicht kontrovers genug, aber ein schönes Plädoyer für das Informationsmedium Internet aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet. Mir fehlte abschließend ein bißchen der Appell an das Publikum sich selber ein eigenes Bild zu verschaffen, mehr Zeit für die Recherche im Netz einzuplanen und v.a. ein paar Tips zur Quellenprüfung und verlässlichen, eigenverantwortlichen Arbeit im Netz. Grade hier hätte der Thomas Hallet als Fachmann für wissenschaftliche Recherche nochmal richtig auftrumpfen können.

Ich halte es also mit Harmut Ostrowskis Statement zum Webwissen: Es ist das wert, was man daraus macht. Und Katharina Borchert schloss mit dem Statement: “Neugier erhalten, andere damit anstecken und sich permanent weiter entwickeln wollen.” Sehr positiv gestimmt konnte ich nachher noch einige nette Gespräche mit einigen Professoren der FHM führen und mit einem Freund aus Kindheitstagen, den ich in der Halle, über das mediatalk Hashtag über Twitter wiedergefunden habe.

Da soll noch einer sagen, Twitter, Blogs und Web 2.0 wären für nichts gut – auch wenn ich wie Hartmut Ostrowski lieber in der Kneipe Skat kloppen würde, als vorm Rechner (und obwohl ich so gut wie gar nicht Skat spielen kann, habe ich beides schon ausprobiert und weiß daher, wovon ich rede).

weiteres zum mediatalk
Homepage des Mediatalk (hoffentlich bald mit Videoaufzeichnung)
Blogposting auf Neue Westfälische – und das ist witziger weise in den Google Suchergebnissen noch vor dem
Zeitungs-Artikel in der Neuen Westfälischen

Kommentar auf neue westfälische
Blogposting von Tobi

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Super Service bei OTTO via Twitter

Online Shops, Social Media on November 5th, 2009 No Comments

Klasse, so sieht Kundenservice 2.0 auf allen Kanälen aus: Webarchitekt berichtete auf Twitter von seinen Bestellproblemen beim OTTO Versand und direkt antwortete jemand und löste das Problem.

Einmal getwittert – mehrfach verbreitet. Schönes Fallbeispiel wie ich finde.

Hier der Verlauf der Kommunikation als Bildchen (entliehen beim Webarchitekten Blog):

Twitter Service bei OTTO Versand

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Visitenkarten sind da: Moocards

Produktivität und DGK on November 5th, 2009 No Comments

Gerade eben noch die virtuelle XING Visitenkarte aufgehübscht, da kommen auch schon die Hardware Visitenkarten an. Frisch aus England von Moocards auf schönstem matten Papier gedruckt und in einer tollen Transportbox.

Damit kann dann nun auch das Reallife Netzwerken losgehen :-)

visitenkarten-schraeg-moocards

Das gute an der Box sind übrigens die Registerkarten für MEINE Karten und für die in Empfang genommenen Karten der ANDEREN. So komme ich nicht durcheinander und gebe wohlmöglich versehentlich die Karte des vorletzten Gesprächspartners als meine heraus.

Moocards Box mit Reiter

Für die kleine Unterhaltung zwischen durch ist noch eine Karte mit Buzzword-Bingo dabei. Wenn man eine Reihe mit den typischen Marketing-Schlagwörtern abgestrichen hat, ruft man lautstark BINGO! in die Runde und die Teilnehmer des Meetings oder der Präsentation sind wieder wach ;)

Moocards Buzzwordbingo

XING Profil wird immer runder

Enterprise 2.0, Social Media on November 5th, 2009 2 Comments

Die Aktualisierung meines XING Profils hat etwas länger gedauert, als ich geplant hatte, da ich gleich zum Start meiner Selbstständigkeit mit einigen Kundenaufträgen starten durfte. Da konnte ich mir den Luxus erlauben, diese Seite hier und die diversen Profile einige Wochen mit halber Kraft zu fahren ;)

Nun sind die Kundenprojekte soweit umgesetzt und ich habe mein XING-Profil vor 1 1/2 Wochen aktualisiert, massiv umgebaut und viele Informationen neu eingesetzt und überholte herausgenommen. Gerade habe ich die Über mich Seite aktualisiert. Hier werde ich zukünftig noch einiges ändern, aber so gefällt sie mir schon ganz gut.

Und obwohl ich mich ja durchaus zu den alten Social Network-Profilern im allgemeinen und alten XING-Hasen im speziellen zähle, habe ich bei den Experten Joachim Rumohr und Jochen Mai und natürlich im XING-eigenen Blog noch einige super Tips gefunden.

Danke dafür und ich bin gespannt, wieviele Tassen Kaffee, ich so in nächster Zeit engeboten bekomme ;) Nach der Umstellung meines XING Profils hatte ich jedenfalls bereits einige hundert Besuche auf meinem Profil, aus denen sich einige interessante Gespräche ergeben haben.

Regelmäßige XING Aktualisierungen helfen also durchaus, um sich im Gespräch zu halten und sich mal wieder in den Fokus der Kontakte zu bringen.

Aufschieben und Prokrastinieren mach ich morgen, Herr Rückert

Coaching, Produktivität und DGK, Projektmanagement on November 4th, 2009 No Comments

Ganz ehrlich muß ich ja sagen, daß ich die eine oder andere ungeliebte Tätigkeit immer noch gerne und bewußt verschiebe. Aber das war ja auch eine der Kernaussagen von Hans-Werner Rückert in seinem Vortrag am Sonntag im Bunker Ulmenwall. Die Vortragsfolien gibt es übrigens unter dem Link zum Download.

Der Vortrag an sich war richtig unterhaltsam. Anspruchs- und gehaltvoller als das typische (kurzfristig vielleicht wirksamere) Ami-Motivationscoach-Gequatsche. Da wurde zwischendurch immer wieder das Beispiel Marcel Proust als prominenter Aufschieber (der aber kurz vorm Tode doch noch die produktive Kurve gekriegt hat) genannt und erfreulicher Weise gab es weder Tschakka-Faust noch erhobenen Zeigefinger. Rückert erzählte viel aus seiner Praxis als (psychologischer) Studienberater an der Freien Universität Berlin und gab klasse Ratschläge, wie man seine eigenen Aufschiebereien und kleinen Handlungsstörungen in den Griff bekommen kann, bevor aus dem ewigen “mach ich morgen” ein Kreislauf ohne Ende wird.

Bei den meisten Aussagen schoß mir erstmal ein “das war Dir doch eh schon immer klar – is doch nix neues!” durch den Kopf und nach der fundierten psychologischen Erklärung und einigen Praxisuntermauerungen kam dann ein “ach, aber so hast Du das noch gar nicht gesehen” gefolgt vom “ACH DESWEGEN! ist das so”.

Zum Beispiel daß es die sogenannten Kickaufschieber gibt, die ihre Diplomarbeit mit dem Überfahren mehrerer roter Ampeln nachts um 23:58 beim Frachtpostzentrum abgeben, um den letztmöglichen Datumsstempel zu kriegen. Selbstverständlich nachdem sie drei Wochen mit 4 Stunden Schlaf ausgekommen sind. Und den nur jede ZWEITE Nacht! Kaffeekonsum wird in Eimern gemessen und die Ernährungsgewohnheiten sind so abenteuerlich wie nur was. Kenn ich selbst und meine Freundin fand sich in seiner Beschreibung zu 100% bei Ihrer Bachelorarbeit wieder ;)

“Kriegsberichte von der Front der intellektuellen Arbeit” nannte Rückert das :-)

Klar, wer brav 3 Monate lang planmäßig 4 3/4 Seiten am Tag schreibt und redigiert, nach festem Tagesplan recherchiert und seine Pausen artig einhält, grünen Tee mit einem Hauch Zitronensaft und Rohkost verkonsumiert hat keine wirklich interessanten Geschichten zu erzählen ;)

Besonders gefiel mir ja die Geschichte mit dem vollbesetzten Flugzeug. Der Boardingfinger wird abgekoppelt und weggefahren. Die Türen schließen sich zischend und die Stewardessen bereiten sich auf das Notausgangsballett und künstlerisch anspruchsvolle Teekesselchenstellung vor. Die Maschinen drehen höher. Kurz bevor die 707 zum Inlandsflug anruckt, gehen die Turbinen wieder aus und alle Passagiere schauen sich fragend an.
Vergrippte Schweine an Board? Co-Pilot ne Wette verloren? Zucker im Tank?
Dann wird der Einstiegsgang wieder ans Flugzeug geschoben, die Tür noch einmal geöffnet und grinsend kommt einer der prominentesten Kickaufschieber und Buchautoren zum Thema in den Flieger:

Sacha Lobo

Dann ging es um Handlungsorientierung und Lageorientierung, The Big 5 of Persönlichkeitsmerkmale, daß die Großhirnrinde der Sitz der guten Vorsätze ist (das Resthirn ist aber bedeutend größer *g*) und man sich durch Belohnungen zum Durchhalten am Schreibtisch konditionieren soll statt zur sofortigen Flucht, wenn mal der Magen knurrt.

Wie Übertriebener Perfektionismus bekämpft werden kann, daß die goldene Zeitmanagementformel – geschätzter Aufwand multipliziert mit zwei ist, dass Leiden adelt und Selbstdisziplin ein zu negativ aufgeladener Begriff ist und durch Selbstkontrolle ersetzt werden sollte.

Zentrales Tool zur Arbeit an sich selbst und als Schwert im Kampf gegen das Aufschieben:
Das Ringbuch – bei mir ist es übrigens ein immer wieder wechselndes Moleskine im Maßgefertigten Ledereinband. Darin wird über sich selbst nachgedacht, Gedanken festgehalten, Konflikte erkannt und gelöst, Ziele gesetzt und nicht mehr kongruente Ziele gestrichen, abends reflektiert und der nächste Tag geplant. Unter anderem mit ToDo Listen auf die ab jetzt nur noch die angenehmen Dinge drauf kommen.

Denn “Das sollen tötet das Leben.” R. Menasse

Wer den Unterschied von Problemen 1. zu Problemen 2. Ordnung verstanden hat, kann sich an die Lösungsfindungen machen und kompetent arbeiten (und auch mal was aufschieben). Dabei hilft Rückerts BAR-Programm:
* Bewußt sein über Motivation, Hemmnisse, Gründe fürs Aufschieben und daß wir Dinge dann anpacken, wenn sie zu mind. 70% mit positiven Gefühlen verbunden sind. Nicht ich MUSS – sondern ich WÄHLE und Nicht Ergebnisse zählen – sondern ICH FANGE ERSTMAL AN

* Aktionen zum Selbstvertrauen und Selbsteinschätzung steigern unternehmen, Zeitaufwand schätzen und Aufgabenlisten erstellen.

* Rechenschaft vor sich selbst ablegen. Mit Hilfe des “Ringbuchs” Visualisierungen, Bilanzierung der Fortschiritte, ist bei aller Arbeit noch genug Platz für Leben?, Belohnen statt Bestrafen.

Schlußendlich sollte sich nämlich auch der gewissenhafteste und produktivste ein oder zwei Dinge zum ewigen Aufschieben bewahren :)

(Und die Kickaufschieber haben können sowieso bleiben wie sie sind. Das ist schon gut so, wenn sie sich wohl dabei fühlen. Dem widersprach nur eine Dame aus dem Publikum, die sich als geheilte Kickaufschieberin bezeichnete, nachdem sich eine Dozentin 2 Monate zum korrigieren einer auf den letzten Drücker abgegebenen Hausarbeit erlaubte. Weil Sie auf Hochzeitsreise war *g*)

Was mit ein bißchen fehlte waren konkrete Ansätze zum Filtern von Informationen, Aufgaben und Eindrücken. Außer dem Wichtig – Unwichtig und Dringlich – Nicht Dringlich Quadrat gab es da keinen Vorschlag. Aber über irgendwas muß ich ja schließlich auch noch mal nen Buch schreiben irgendwann ;)

Und Herr Rückert könnte ein bißchen mehr von sich selbst und seiner persönlichen Arbeitsweise erzählen, statt nur Beispiele aus der Studienberater- und Psychotherapiepraxis zu berichten. A bissel menscheln schadet ja nie ;)

Alles in allem ein toller, unterhaltsamer und aufschlußreicher Sonntagnachmittag. Danke an Rena Tangens und padeluun vom foebud für die Organisation und dass so ein hochkarätiger 3-stündiger Vortrag für 5 EUR angeboten werden kann!

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Der Maler Pitch: Ein großer Klassiker der Blogliteratur

Allgemein, Social Media on November 4th, 2009 No Comments

Gute Dinge sind zeitlos. So auch gute Texte. Eben habe ich mit einer Kollegin aus einer befreundeten (oder professionell gesagt genetworkten) Agentur gesprochen und sie erzählte mir vom letzten Pitch.

Da fiel mir wieder einer der unterhaltsamsten Texte zu dem Thema Agentur-Pitches ein. Der auch gleichzeitig ein Spitzenbeispiel für einen tollen Blogbeitrag ist.

Paul Apostolou von Elephant Seven hat hier 2005 schon einen echten Knaller-Text geschrieben, als er mal versucht hat, den Anstreich-Job seines Wohnzimmers – 4 Wände in Altweiß – an einige Malermeister “gepitcht” hat. Großartig, wenn der Spieß umgedreht wird und das Geschäftsgebahren, mit dem sAgenturen täglich zu tun haben, mal auf den klassischen deutschen Handwerksmeister prallt. Clash of the Cultures will ich mal sagen.

Kleine Kostprobe:

“Malermeisterbetrieb Steppmüller?”

“Guten Tag, hier Apostolou. Ich beabsichtige meine Wohnung anstreichen zu lassen. Ich möchte Sie zu einem Pitch einladen. Wann können Sie kommen?”

“Pisch? Sie meinen Kostenvoranschlag!?”

“Nein … Pitch mit `t´ ohne `s´ in der Mitte. Da streichen Sie vorab kostenlos einen Teil der Wohnung, um Ihre Kompetenz in Sachen Altweiß unter Beweis zu stellen.”

“Also … Sie wollen, dass ich Ihnen ein Zimmer streiche? Umsonst?? Damit Sie beurteilen können, ob ich anstreichen kann? Hören Sie mal, ich bin eingetragener Meister, ich streiche seit 20 Jahren …”

“Ja, deswegen habe ich mich auch entschieden, Sie zum Pitch einladen. Sie haben einen super Ruf in der Branche. Wissen Sie, mir – und vor allem meiner Partnerin – liegt die Qualität am Herzen. Außerdem möchten wir wissen, wie es so um Ihre Kreativität bestellt ist.”

Den kompletten Text gibt es unter diesem Link hier.

Hoffen wir mal, dass die Art und Weise sich doch schnell überlebt, wie mit uns Agenturen, Beratern und Freelancern gerade was den Bereich Pitches und kostenlose Vorarbeit leisten gerne umgegangen wird.

In allen anderen Bereichen (außer Open Source) weiß auch jeder – was nix kost’ – is meist auch nix.